Geheimnisse der Fächersprache
Ein kleines Brevier - zusammengestellt von
Chrysaria Gräfin Tegalliani
E-Mail: chrysaria@gmail.com
Zunächst wird die wohlerzogene Dame durch leichtes Fächeln und dezente Blicke sich seiner Aufmerksamkeit versichern. Alsdann mag sie ihm durch das eine oder andere Zeichen manches zu verstehen geben, wie exemplarisch im folgenden dargestellt sei. Demzufolge ist es denn auch eine irrige Annahme, dass nur den Damen die Beherrschung jener Sprache zu eigen sein muss. Denn was wäre eine Sprache nutze, die nur von einer Hälfte verstanden wird?
(Auf den in Deutschland bekannten Historischen Bällen verzichtet man allerdings auf diese Art der Konversation)
Begrüßung
Linke Hand vor dem Gesicht haltend: Ich suche Bekanntschaft
Offen in der linken Hand haltend: Komm und unterhalte Dich mit mir
Finger am äußeren Rand: Ich möchte Dich sprechen
Rechte Hand vor dem Gesicht haltend: Folge mir
Konversation
Über die Stirn gleiten lassen: Du hast Dich verändert
Auf der rechten Wange ruhen lassen: Ja
Auf der linken Wange ruhen lassen: Nein
Langsam fächelnd: Ich bin verheiratet
Schnell fächelnd: Ich bin verlobt
Über die Augen gleiten lassen: Verzeih mir
Mit der rechten Hand flattern lassen: Ich liebe einen anderen
Über die Wange gleiten lassen: Ich liebe Dich
Geschlossen präsentierend: Liebst Du mich?
Auf die Lippen legend oder doppelt durch die Hand ziehend: Küsse mich
In der rechten Hand tragend: Du bist verwegen
Durch die Hand ziehend: Ich hasse Dich
Öffnen und schließen: Du bist grausam
In der linken flattern oder rechtes Handgelenk kreisen: Wir werden beobachtet
Abschied
An das linke Ohr haltend: Ich möchte, dass Du mich in Ruhe
lässt
Hängen lassen: Wir bleiben Freunde
Anzahl der Stäbe: Angabe der Uhrzeit für die Verabredung
Weit öffnend: Warte auf mich
Hinter den Kopf haltend: Vergiss mich nicht
Mit abgespreiztem kleinen Finger haltend: Auf Wiedersehen
Die American History Hobbyisten im Sauerland beschreiben die auf Ihrer Seite so:
Langweilte sich eine unternehmungslustige
Dame in einer Gesellschaft, signalisierte sie, dass sie Bekanntschaft suche.
Sie hält den geöffneten Fächer in
der linken Hand halb vor das Gesicht und fächelt sich zu, d. h. komm zu mir.
Hat sie einen Herrn entdeckt, der ihr gefällt,
so übermittelt sie ihm: Komm und unterhalte Dich mit mir.
Sie trägt dann den Fächer geöffnet
in der linken Hand und winkt dem Herrn unmerklich zu.
Ist sie dann in Leidenschaft zu ihm
entbrannt, sagt sie ihm: Ich liebe Dich!
Fächer geöffnet mit der linken Hand
über die Wange gleiten lassen.
Ist sie sich nicht sicher, ob der Herr
ihre Gefühle erwidert, fragt sie ihn: Liebst Du mich?
Fragend über den geschlossenen Fächer
schauend.
Ist die Antwort nein und die Dame enttäuscht,
bittet sie sich aus, in Ruhe gelassen zu werden.
Geschlossen an das linke Ohr haltend
oder aber, da Liebe und Hass eng beieinander liegen, bedeutet sie ihm, dass sie
ihn ab sofort hasst.
Sie zieht den Fächer mit kurzen Schlägen
mehrfach durch die Hand.
Stellt der Herr ihr Fragen, so beantwortet sie diese
mit ja, indem sie den geschlossenen Fächer an die rechte Wange hält, mit nein,
wenn er an der linken Wange ruht.
Hat sie etwas getan, was ihren Kavalier geärgert
hat, bittet sie ihn um Verzeihung.
Den geöffneten Fächer vor dem Gesicht
nach rechts und links hin- und herbewegen.
Entspricht er ihrer Bitte nicht und verhält
sich weiter abweisend, so öffnet und schließt sie ihren Fächer und bedeutet
ihm damit: Du bist grausam.
Wirbt ein Mann um sie, der ihr nicht gefällt,
zerstört sie seine Hoffnung, indem sie sagt: Ich liebe einen anderen.
Mit der rechten Hand halb geöffnet
flattern lassen.
oder
Sie bedeutet ihm, ich bin verheiratet.
Den geöffneten Fächer in der linken
Hand langsam zu sich hin- und herbewegen, dabei enttäuscht schauend.
Bemerkt die Dame,
dass ihr tête à tête beobachtet wird, warnt sie ihren Kavalier.
Fächer in der rechten Hand wirbeln lassen
und in die bewusste Richtung schauend
und bittet ihn dann in eine stille Ecke zu
einem Gespräch unter vier Augen.
Fächer geöffnet haltend und mit zwei
Fingern am oberen Rand entlangfahrend.
Erwartet die Dame den Herrn am Abend, so
schaut sie über den geöffneten Fächer hinweg und teilt ihm die Stunde des
Stelldicheins mit, indem sie mit dem Finger die entsprechende
Anzahl der Falten antippt.
Hat die Dame den Herrn ihrer Wahl gefunden, legt sie
den geschlossenen Fächer an ihre Lippen und bedeutet ihm damit: Küss mich,
aber, bitte, nicht hier.
Sie hält den geöffneten Fächer in
der rechten Hand vor dem Gesicht und im Herausgehen winkt sie ihm: Folge mir!